Bukarest

Im Rahmen einer Geschäftsreise ging es nach Bukarest, wo Wipro Technologies auch ein Entwicklungszentrum betreibt. Meine Erwartungshaltung war vielleicht etwas überzogen, da ich die Stadt in die Riege von Zagreb oder Budapest eingeordnet habe. Damit war die Enttäuschung über Bukarest als Stadt groß und zog sich über die Architektur, Infrastruktur bis hin zur Serviceorientierung.

Bukarest bzw. Rumänien ist sehr beliebt als Ziel für das sog. „Near-Shoring“ von IT Dienstleistungen. Hierbei wird die Leistung zwar aus einem Niedriglohnland erbracht wird, dieses ist jedoch relativ nahe am Sitz der beauftragenden Firma. Im Gegensatz dazu steht das „Off-Shoring“, wo die Dienstleistung aus Ländern wie z.B. Indien oder China erbracht wird. In diesem Zusammenhang kann man vielleicht von Bukarest als europäisches Indien sprechen.

Dieser Eindruck wird beim ersten Kontakt mit der Stadt tatsächlich bestätigt: Der Verkehr ist vergleichbar chaotisch, wenn auch weniger gehupt wird. Anstelle der erwarteten „alten“ Architektur treten Betonbauten, welche die Zeit des sozialistischen Regimes bezeugen und neue Architektur hat eine verblüffende Ähnlichkeiten mit dem Wildwuchs indischer Großstädte.

Eines jedoch hebt sich positiv hervor: Die Versorgung mit Elektrizität und sauberem Wasser stellt das Land vor keinerlei Probleme. Der öffentliche Verkehr ist abgesehen von der sehr improvisierten Fahrweise zuverlässig und es verkehr auch eine Strassenbahn. Der internationale Flughafen hingegen verfügt über nur 6 Gates – für die Hautpstadt einer aufstrebenden Vokswirtschaft überraschend wenig.

Bei der Serviceorientierung können die Bukarester allerdings noch viel von den Indern lernen. So kommt es vor, dass man beim Rückumtausch der lokalen Währung aufgrund fehlender Münzen lautstark des Ladens verwiesen wird. Auch die Tatsache, dass im Duty-Free Shop des Flughafens die eigene Währung gar nicht akzeptiert wird, mutet etwas seltsam an.

Ansonsten hat das Land ein riesiges Potenzial. Das Wachstum des BIP liegt im Bereich der Tigerstaaten und wenn man eine gute Geschäftsidee hat, ist man in Rumänien sicher richtig. Das Preisniveau ist sehr angenehm und Taxi fahren oder essen gehen wird wieder zum Vergnügen. Allerdings ziehen die wenigen guten Hotels aus der Knappheit ihren Nutzen und verlangen unangemessene Preise: EUR 240 für ein Einzelzimmer (ohne Frühstück) ist definitiv zu viel für das gebotene Zimmer und den Service. Übrigens wird selbst in den internationalen Hotels abgezockt: Warum sonst wird der Lei-Preis mit einem sehr schlechten Umrechnungskurs in Euro übersetzt, bevor die Kreditkarte belastet wird?

 

joehe

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